Vor ein paar Monaten hatte ich die Idee, eine Veranstaltung zum Thema „New Work“ im „schönsten Hotel Europas“ zu machen. Es wäre doch sehr hilfreich, wenn sich das Team Deichgraf mit anderen Menschen über den steinigen Weg zu einer hierarchiefreien Organisation austauschen könnte – so war der Gedanke. Dann lief mir Daniela Bessen über den Weg und das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Auch Daniela dachte über etwas Ähnliches nach. Und so wurde aus dem „Baby“ schrittweise Realität. Wir waren uns schnell einig, dass wir so eine Art „New-Work-Buffet“ anbieten wollten. Eine Mischung aus aufrüttelnden  Vorträgen und wirksamen Tools, mit denen die Teilnehmer Impulse zum eigenen Handeln bekommen sollten. Nicht in den Metropolen Berlin oder Hamburg, sondern hier… in Wremen… the place to be… 🙂

Eine Provokation? JA, unbedingt!!

Als ich mit der Bloggerin Nina Brockmann über die neue Arbeitswelt sprach, saßen wir im Restaurant des „schönsten Hotels Europas“ und ich schaute auf den Deich. Während meine Gedanken um die Gleichheit von Menschen und Positionen kreisten, drängte sich mir die Frage auf: „Wo – verdammt nochmal – ist eigentlich der Chef-Grashalm, der den anderen Grashalmen auf dem Deich sagt, WIE und WANN sie wachsen sollen?“ Mir war natürlich klar, dass ich diesen Chef-Grashalm nicht finden würde – auch nach langer Suche nicht. Aber es war eine Metapher geboren, die zu genialen Abwandlungen und Modifizierungen einlud. Freunde und Skeptiker von „New Work“ WAREN und SIND sehr produktiv, wenn ich die Frage stelle: „Warum hat das Gras keinen Chef und wächst trotzdem?“ Das war ein gutes Zeichen für die Klarheit, dass es keinen geeigneteren Titel für die Veranstaltung geben würde. Er war provokant und bildhaft genug, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Es folgten unendlich viele Gespräche, Telefonate, Mails, WhatsApp´s, …

Der Flyer (Vorderseite) zum New Work Camp

Der Karton mit den Flyern zur Veranstaltung traf endlich ein. Nun war klar: „Jetzt gibt es kein Zurück mehr!“ Beim Bohren von „dicken Brettern“ bedrängen mich auf den letzten Metern immer ein paar Zweifel.

Wird alles gut?

Werden die Teilnehmer den Mehrwert bekommen, den sie sich erhoffen?

Werde ich Fortschritte machen in Richtung meines persönliches Leitbildes?

Benedikt berichtet über seinen Aufstieg zum Kilimandscharo

In diesen Momenten entwickeln viele Menschen einen“Plan B“. Ich hatte NIE einen „Plan B“. Wenn ich mich mal entschieden habe, dann ist das Motto: „ATTACKE!“ Das hilft mir, mit voller Energie und Konzentration bei der Sache zu bleiben. Es gibt keinen Ausweg. Weitergehen. Immer weiter.

Das New Work Camp ist vorbei. Letzten Dienstagnachmittag fiel der Vorhang. Schon kurz nach dem Start merkte ich: es wird gut. Doch das, was während der Veranstaltung und nach dem Ende geschah, übertraf meine Erwartungen vollkommen! Es entstanden spontane und intensive Verbindungen zwischen den Teilnehmern, es wurde diskutiert, gemalt, gesungen, gelacht, geweint, und vernetzt. Dazwischen gutes Essen, Einkehr, Achtsamkeit, ringen um Fassung, Scherze, Offenbarungen… Unglaublich. Über Facebook, Messenger, WhatsApp, per Mail, Briefpost und Telefon kamen danach wunderschöne Rückmeldungen. Die schönste: „Es gibt nur ein ganz paar Seminare, wo man denkt, am letzten Tag muss man eine Familie zurücklassen. Dieses war eines davon. Schön Euch kennengelernt zu haben!“

Hier wird gemalt – immer das gleiche Motiv aus unterschiedlichen Perspektiven.

Viele Momente der letzten Tage haben sich in meinem Gedächtnis niedergelassen. Gänsehaut bekam ich, als Sabine, Anke und Maik aus dem Team Deichgraf über das letzte Jahr sprachen:

  • Maik – unser Frühstückskoch, der bei unserer ersten Begegnung nur auf den Boden, statt in meine Augen schauen konnte. Da stand er nun und sprach über unser Sternenzimmer und darüber, wie er Verantwortung für das Ergebnis übernahm. Er sprach vor 40 Menschen – ohne jeden Selbstzweifel.
  • Anke – unsere Servicekraft , die vor Frust geweint hatte, weil sie sich verlassen fühlte, als es darum ging, unser Sternenzimmer fertig zu renovieren und die nun an das Licht am Ende des Weges glaubt.
  • Sabine – eine der stärksten Persönlichkeiten, die ich in meinem Leben kennenlernen durfte. Voll mit Energie und beseelt mit einem liebevollen Herzen.

Ich musste nach Worten ringen, als die Drei ihren Bericht beendeten.

Und am nächsten Tag erkannten unsere Gäste in dem Film „Die Stille Revolution“ unseren Benedikt, der Ihnen im Restaurant das Bier gezapft und den Wein gebracht hatte. Spontan baten sie darum, dass er von seinem Aufstieg auf den Kilimandscharo berichten sollte, der „Tour des Lebens“. Er tat es. Einfach so. Und alle hingen sie an seinen Lippen, als er schlussfolgerte: „ich konnte vor lauter Nebel den Weg nicht sehen, aber ich ging ihn weiter – bis zum Gipfel.“ Taschentücher wechselten den Besitzer. Es gab langen Beifall. Sehr langen Beifall.

Aufmerksame Teilnehmer lauschen leidenschaftlichen Dozenten

Es kam der Abschied. Ich war berührt, denn alles, was ich mir gewünscht hatte, war tatsächlich eingetreten. Mein persönliches Leitbild, in dem ich Menschen helfe, eine andere Perspektive einzunehmen, einen neuen Weg zu finden, eine neue Tür zu entdecken, hatte sich an diesem New Work Camp erfüllt. Es fiel mir schwer, geeignete Worte zu finden.

Mit großer Dankbarkeit schreibe ich nun diesen Text. Ich freue mich, dass so viele unterschiedliche Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Position, ihrem Alter und ihrer Einstellung in einen konstruktiven Austausch gekommen sind. Es ist meine feste Überzeugung, dass daraus Gutes entsteht.

Und Team Deichgraf? Ich habe ganz viel strahlende Gesichter gesehen. Alle Konflikte und Herausforderungen, die uns momentan bewegen, waren wie weggeblasen. Service, Housekeeping, Rezi, Küche und Haustechnik – alle zogen an einem Strang und unterstützten sich wo es nötig war. Unsere Gäste haben es genossen.

Am Ende: WIN – WIN – WIN! Kooperation statt Konkurrenz. Wertschöpfung durch Wertschätzung – „Live“ und „in Farbe“. So geht es. Es SCHREIT nach Wiederholung 🙂

Hier das Programm der Veranstaltung ->>

 

 

 

 

Gänsehaut und literweise Tränen – das Gras hat keinen Chef und wächst wie blöd…
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